LEBE MIT BAMBUS,

PFLANZE BAMBUS

Bericht zur HIGH TOUCH® Bambusplantage im Juli 2008

 

 

 

Situation im Jahr 1997

Auf den Inseln Java und Bali sind in den letzten Jahren bestimmte Bambussorten selten geworden. Einerseits nimmt der Verbrauch für Handicrafts weiterhin jährlich mit zweistelligen Ziffern zu, andererseits werden immer mehr Bambuspflanzungen durch andere Bodennutzungen verdrängt; wie z.B. Zuckerrohr- und Ananasplantagen, welche den Bauern einen schnellen und höheren Ertrag bieten.

 

Auf Bali müssen viele Bambuspflanzen der boomenden Tourismusindustrie weichen.

 

Für HIGH TOUCH® bedeutet dies, dass mittel- und langfristig vor allem bei den folgenden zwei Bambussorten mit Lieferschwierigkeiten zu rechnen ist :

 

Bambu Betung hitam, naturdunkle Rohre mit Durchmessern von 11-15 cm, Gigantochloa atroviolacea Widjaja.

 

Bambu Tutul,  gesprenkelter Bambus mit Durchmessern von 7 bis 11 cm, Bambusa textilis McClure Maculata.

 

 

HIGH TOUCH® muss die Versorgung der Produktion mit den oben genannten Bambusarten sicherstellen und entschliesst sich deshalb, eine firmeneigene Bambusplantage zu erwerben. Ein weiterer Vorteil der Plantage ist, dass wir darauf Testpflanzungen mit seltenen Sorten durchführen können.

 

 

Planung und Vorgehensweise

Bei einem durchschnittlichen Bestellungseingang wie in den Jahren 2006 und 2007 benötigt HIGH TOUCH® bei dem in Indonesien üblichen Bepflanzungsabstand von 6 Metern ca. eine halbe Hektare Land, um die Versorgung mit den zwei oben genannten Sorten sicherzustellen.

 

Mit dem Bepflanzungsabstand von 6 Metern ist folgendes gemeint: in den Tropen wachsen die Bambusrohre im Vergleich zu den kalten Breitengraden in trichterartigen Büschen nach oben. Diese Büsche werden auf Indonesisch „Dapur“ genannt, was korrekt übersetzt „Küche“ bedeutet. Von Küche zu Küche wird ein Abstand von 6 Metern eingehalten.

 

Im März 2000 haben wir nahe dem Dorf Besuki auf dem Willis Berg

(7o52’43’’ Süd - 111o55’22’’ Ost) und rund 25 Km ausserhalb der Stadt Kediri eine Plantage von 4,5 Hektaren erworben, welche den Bedarf an grossen dunklen und getigerten Bambusrohren der Firma HIGH TOUCH® sicherstellen soll und bei Bedarf auch für andere Sorten genutzt werden kann.

 

 

Anzahl und Arten der gepflanzten Rohre

In den Jahren 2000 bis 2007 wurden folgende Bambussorten angepflanzt:

 

Naturdunkle Rohre "Bambu Betung hitam" in 722 „Küchen“; daraus sind bis jetzt  rund 1480 Rohre gewachsen.

 

Gesprenkelten "Bambus Bambu Tutul" in 150 „Küchen“; daraus sind bis jetzt rund 2260 Rohre gewachsen.

 

Helle Rohre "Bambu Betung“ in 190 „Küchen“; daraus sind bis jetzt rund 680 Rohre gewachsen. Bei diesem Bambus handelt es sich um helle Rohre mit einem Durchmesser von 8 bis 18 cm ("Dendrocalamus Asper").

 

Helle Rohre "Bambu Java" in 260 „Küchen“; daraus sind bis jetzt rund 1280  Rohre gewachsen ("Schizostachyum Blumei").

 

Offensichtlich gedeiht also der gesprenkelte Tigerbambus am besten auf unserem Land, welches vor allem am Ende der Trockenperiode (September-Oktober) bei ausbleibendem Regen Bewässerung benötigt.

 

Gepflanzt wurden die Rohre nach traditioneller indonesischer Art, und zwar, indem wir während der Regenzeit in fremden Plantagen von den Rohren kauften, aus welchen sich unten bei den Wurzeln neue Triebe bildeten. Auf dem Foto Nr. 3 unten ist so ein Rohr zu sehen, welches vor sechs Wochen eingepflanzt wurde. Neben dem Rohr sind bereits zwei neue Triebe zu sehen, welche sich den Weg aus der Erde bahnen.

 

Auf der fruchtbaren Insel Java werden für Bambus keine Arten von Dünger benutzt und es ist tatsächlich so, dass der Bambus ohne fremdes Zutun sehr schnell wächst und oft zu einer Plage für die Dorfbewohner wird, wenn er zu Nahe an den Häusern gedeiht und den gesamten Boden sehr schnell mit seinen Wurzeln in Beschlag nimmt. Rhizomsperren sind hier noch ein Fremdwort!

 

Es gibt für die Bauern in Indonesien kaum eine mühsamere Arbeit, wenn sie manuell und nur mit einer primitiven Hacke ausgerüstet ein Feld von Bambus befreien müssen, weil sie darauf etwas anderes anpflanzen wollen.

 

Die erste Reaktion der Dorfbewohner auf unsere Ankündigung, dass HIGH TOUCH® eine Sengon Holzplantage in eine Bambusplantage umwandeln wolle, war deshalb ungläubiges Kopfschütteln und Lachen. Mittlerweile kennt ein Teil dieser Leute unsere Bambuspmöbel und hat zum Material Bambus eine positive Meinung, vor allem weil man diese Produkte in entwickelte Länder wie Europa exportieren kann. Traditionell herrscht hier leider die Meinung vor, dass Bambus ein Material für arme Leute sei.

 

Betreffend der Pflege ist nur wichtig, dass bei lange anhaltenden Trockenperioden ohne Regenfall Wasser zugeführt wird, dies vor allem am Anfang, wenn die Pflanzen noch klein sind und nur geringen Schatten werfen.

 

Aufgrund der fruchtbaren Vulkanböden in Java gedeiht auch das Unkraut um die jungen Bambuspflanzen sehr gut. Deshalb muss in den ersten fünf Jahren fleissig gejätet werden. Danach haben die Bambuspflanzen schon ein so dichtes Blätterdach gebildet, dass dem Unkraut die Sonne zum weiteren Gedeihen fehlt und Jäten nur noch in Einzelfällen nötig ist.

 

Bis zum Jahr 2008 hat HIGH TOUCH® noch keine Rohre aus der Besuki Plantage geerntet. Geplant ist, dass wir ab 2009 von den getigerten Rohren schneiden, welche dann das Mindestalter von fünf Jahren erreicht haben werden.

 

Bei den Betung Rohren ist die erste Ernte im Jahr 2010 geplant. Von diesen Sorten entfernen wir aber bereits seit 2007 die ganz kleinen Rohre, welche zu Beginn aus den "Küchen" gewachsen sind. Beim Betung Bambus verhält es sich so, dass die grossen Durchmesser über 10 cm erst nach drei bis vier Jahren aus dem Boden spriessen. Zuvor wachsen nur kleine Rohre mit 5-8 cm Durchmesser.

 

 

Seltsame Umstände

Wie bei vielen Unternehmungen auf der Insel Java verlief auch das Anlegen der HIGH TOUCH® Plantage nicht ohne „Stolpersteine“ und Probleme.

 

Auf unserer Plantage hatte der vormalige Besitzer, ein eingewanderter Araber, früher Bäume angepflanzt. Es ist in Indonesien nicht unüblich, dass die ärmeren Bewohner der umliegenden Dörfer in solchen Holzplantagen zwischen den Bäumen Tapioka Wurzeln für den eigenen Gebrauch anpflanzen, ohne den Besitzer deswegen zu fragen.

 

Für HIGH TOUCH® war dies zu Beginn eine sehr schwierige Angelegenheit. Da wir die Plantage bar bezahlt hatten, hielten wir es für selbstverständlich, dass neben unserer Bambuspflanzen nichts mehr auf dieser Plantage wachsen sollte und durfte.

 

Auf der anderen Seite wollten wir uns mit den Nachbarn nicht überwerfen, denn es wäre für eine böswillige Person sehr einfach, nachts die jungen Bambuspflanzen zu zerstören. 

 

Schliesslich konnten wir mit viel Geduld und mit Hilfe des Dorf-Ältesten und dem Imam der nächsten Moschee folgenden Kompromiss aushandeln: Die bereits angepflanzten Tapiokawurzeln durften bis zur Ernte auf dem HIGH TOUCH® Land belassen und von den Bauern selbst geerntet und verkauft werden. Neue Tapiokawurzeln durften nicht mehr angepflanzt werden. Ein Bauer mit seiner Familie erhielt die Erlaubnis, in einem kleinen Haus direkt in der Plantage zu wohnen und diese gegen ein monatliches Entgeld zu bewachen und zu pflegen.

 

Dieses Problem war gelöst. Mit einem anderen Problem haben wir zu kämpfen, seit die ersten Bambu Betung Pflanzen während der Regenzeit (zwischen November und Mai) aus dem Boden spriessen. Die jungen Bambustriebe schmecken leider sehr gut! Es besteht also immer die Gefahr, dass unser Bambu Betung anstatt als Bambusbett im Magen eines Einheimischen endet.

 

Ganz verhindern können wir nicht, dass in jeder Regenzeit ein paar Pflanzen gestohlen werden und in einem Kochtopf landen. Aber durch gute Bewachung und dadurch, dass wir im Aussen-bereich vermehrt die Sorte Bambu Tutul angepflanzt haben - dieser schmeckt zum Glück nicht gut - liegt der Verlust in Grenzen.

 

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28. Juni 2008 / dq

Segon Plantage 1999
Segon Plantage mit dazwischen frisch geppflanzten Bambus Treiblingen
Mühsame Bewässerung
Nach 6 Wochen und frische Triebe
Neue Bambus Anpflanzung
Bambus Plantage 2007
Bambus Plantage 2007

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