18 Jahre eigene Bambusmöbel Produktion in Indonesien

Eine wahre und lange Geschichte

 

 

Alles begann im Frühsommer 1977 als ich mit einem alten Freund zum ersten Mal eine Asien Reise unternahm. Die Route erstreckte sich über Hong Kong, Singapore und als letzte Station Bali.

 

 

Bali in den 70er Jahren

Auf der indonesischen Insel Bali gab es zu dieser Zeit nur zwei Hotels, die man als solche bezeichnen konnte. Natürlich gab es daneben noch einige primitive Losmen Unterkuenfte, die mehrheitlich von australischen Wellenreitern belegt waren. Kuta bestand aus einer Stichstrasse zum Meer und die Legian Street erstreckte sich ueber 50 Meter und endete im Reisfeld. In der Hauptstadt Denpasar gab es nur eine Kreuzung mit Ampel. Wie es dort heute aussieht dürfte nicht wenigen unbekannt sein.

 

Wir mieteten uns einen klapprigen VW-Kübelwagen und fuhren kreuz und quer über die ganze Insel. Autos waren in Teilen der Insel noch unbekannt – heute steht man zuweilen im Dauerstau. Das war vor 30 Jahren als unsere „Bambus-Idee“ geboren wurde.

 

Auf der Fahrt durch Bali sah ich das erste Mal einfache, zusammengezimmerte Möbel aus Riesenbambus und die Faszination Bambus und die Vorstellung eines Vertriebs in Europa erwachte. Nach der Rückkehr aus Asien, zurück im Alltagstrott und der Suche nach einem Job geriet Bambus wieder in Vergessenheit. Bei einer beruflich bedingten zweiten Asienreise im Jahre 1983 kam ich zufällig wieder mit Riesenbambus in Kontakt und die Faszination entflammte von Neuem.

 

 

Weltweite Suche

In den Folgejahren und weiteren Asienreisen im Auftrag meiner Firma hielt ich systematisch Ausschau nach potentiellen Bambusmöbel Herstellern. Ich fand einige wenige in Indonesien und auf den Philippinen. Kontakte in Hong Kong, Taiwan und Malaysia entpuppten sich als Seifenblasen. Die ersten Besprechungen und Verhandlungen ergaben überall dieselbe Problematik: Wie konnte man die Bambusrohre behandeln oder trocknen, um der typischen Rissbildung Herr zu werden. Jeder Produzent hatte seine eigene Vorstellung von Trocknungsmethoden. Aber keine einzige hielt, was sie versprach. Somit ging die Suche weiter über Mittel- bis Südamerika - ergebnislos.

 

1985 erhielten wir in der Schweiz die ersten Musterbestellungen aus Indonesien und den Philippinen. Die Begeisterung war gross, die Ernüchterung noch grösser. Entweder stimmte das Design nicht oder die Verarbeitung war miserabel. In einem Anfall von Grössenwahn hatte ich sechs Kontainer von verschiedenen Produzenten aus Indonesien geordert. Verpackung und Qualität waren depremierend. Wir verkauften die Bambusmöbel über Inserate in Wohnzeitschriften. Die Resonanz auf die Inserate war gross. Zunächst teilten die Kunden unsere Begeisterung, doch wenige Monate später, ganz sicher aber im Frühjahr am Ende der Winterheizperiode, prasselten Reklamationen aller Art auf uns nieder. Die ohnehin unzureichende Bambusmöbel Qualität litt in unserem zentralen Kontinentalklima unter der Trockenheit. Weil die Bambusrohre schrumpften fingen die Bambusmöbel an zu quietschen und zu knarren, die Rattanumwicklungen an den Rohrenden und Rohrverbindungen wurden locker oder verfärbten sich und zu guter Letzt traten überall klaffende Risse auf.

 

 

Rissproblematik der Bambusrohre

Um diese Problematik in den Griff zu bekommen entschied ich mich, nur bei einem Produzenten in Bona auf Bali unter strenger Kontrolle produzieren zu lassen. Das war zum Zeitpunkt als ich meinen späteren Geschäftspartner, Tony Rush, kennen lernte. Er pendelte mit seinem alten Daihatsu Jeep auf der abenteuerlichen Strecke zwischen der Fremdproduktion auf Bali und seinem Wohnort auf Java hin und her. Pures Ueberlebenstraining auf einer Strecke von 1'000 Kilometern – und das meist nachts und alle 14 Tage. Alles geschah unter der Maxime  „Learning by Doing“ und es ging anfänglich viel versprechend voran. Kaum fuhr Tony wieder zurück nach Java waren alle Vorgaben und schwer erarbeiteten Instruktionen beim Produzenten „vergessen“. Alle Vorgaben, Bitten, Schulungen und angelernten Verarbeitungsmethoden waren trotz strenger Kontrollen nutzlos, ganz nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“. Nach mehreren Jahren mit streng kontrollierter Auftrags- oder Fremdproduktion und nachdem wir viel Lehrgeld bezahlt hatten waren wir auf dem Nullpunkt angelangt.

Geld und Begeisterung waren uns abhanden gekommen. Wir mussten einsehen, dass wir einen falschen Weg gewählt hatten. Es stellte sich die Frage des Aufgebens oder Weitermachens. Letzteres aber war nur mit einer eigenen Produktion möglich, die man vor Ort streng überwachen und vor allem bis ins letzte Detail kontrollieren konnte.

 

 

Start der Eigenproduktion

Der Bau einer einfachen und eher primitiven Fertigungshalle wurde Anfang 1990 abgeschlossen. Es gab keine Elektrizität und somit keinen Kühlschrank oder sonstige elektrische Geräte oder Maschinen. Was das heisst, kann heute kaum jemand nachvollziehen. Computer war ein Fremdwort, aber die mechanische Schreibmaschine versah zuverlässig ihren Dienst. Trinkwasser oder Coca Cola bei einer Temperatur von 30 Grad und nicht aufbewahrbare Lebensmittel waren normal. Lebensmittel mussten für jede Mahlzeit frisch eingekauft, sofort zubereitet und verzehrt werden. Toilettenspülung und Dusche funktionierten nur manuell mit einem Schöpfeimer. Eine ärztliche Versorgung und die nächste Tankstelle befand sich in 40 Kilometer Entfernung.

 

Die Bambusmöbel Produktion unter dem indonesischen Firmen Namen

„UD. Yunita“ begann 1990 in Ostjava. Die Produktion startete mit 6 Arbeitern unter sehr schwierigen örtlichen Bedingungen im ersten Jahr.( 1. Kontainer ).

Im gleichen Jahr brach der Vulkan Kelud aus, welcher nur 15 KM entfernt von unserer Produktionsstätte liegt.

Brodeln tut da oben immer was.

Der Vulkan Ausbruch

Der Kelud ist ein sehr aktiver Vulkan und hat seit dem 15. Jahrhundert ca. 15'000 Menschen das Leben gekostet. Die letzten Ausbrüche fanden 1901, 1919, 1951, 1966 und eben 1990 statt.

 

Um ca. 13.00 Uhr hörten wir eine starke Explosionen und die Erde bebte. Erste

Steine hagelten lautstark auf die Dächer. Sie waren bis 3 cm gross, sehr leicht und heiss. Nach einer weiteren halben Stunde verdunkelte sich der Himmel und feiner, warmer Staub bedeckte die ganze Umgebung. Um 14.30 Uhr wurde es stockfinster.  Der dichte Staub verdeckte das Sonnenlicht vollständig. Fotos von Jeep wurden nicht etwa nachts, sondern um circa 15.30 Uhr Nachtmittags aufgenommen.

Nachmittags um 15.30 Uhr
Schlechte Sicht um 15.30 Uhr

 

Zuerst wälzte sich aus den am Vulkanrand gelegenen Dörfern stundenlang eine schier unendliche Kolonne von Autos, Minibussen und Kleinlastwägen laut hupend auf der Strasse vor unserer Produktion bergabwärts. Es herrschte Panik. Menschen quollen aus den überbeladenen Fahrzeugen. Die Vulkanasche setzte die Scheibenwischer ausser Betrieb. Bei vielen Autos lag eine Person auf der Kühlerhaube oder der Beifahrer versuchte weit hinausgelehnt mit einem verdreckten Tuch die Windschutzscheibe einigermassen frei zu halten. Später kam jeglicher Verkehr vollständig zum Erliegen. 

Es herrschte Totenstille. Gegen Mitternacht vernahmen wir die Nachricht im Radio, dass giftiges Gas aus dem Krater entwich und die Bevölkerung wurde aufgefordert, alle Luftöffnungen in den Häusern abzudichten. Der Staubfall hielt bis zum nächsten Morgen um 8.30 Uhr an, und die nun grösste Gefahr war, dass die Dächer unter dem Gewicht der Staublast einzustürzen drohten.

 

Wer so ein altes javanesisches Haus kennt, weiss, dass man zur Abdichtung etwa 100 Rollen Klebeband und zwei Wochen Zeit benötigen würde. Glücklicherweise war die Bedrohung durch das Gas viel geringer als befürchtet, sonst würden Sie diesen Bericht hier nicht lesen.

 

 

Mittelalterliche Kommunikation am Ende des 20. Jahrhunderts

An unserem Produktionsstandort in Wates war es erst 1994 möglich, einen Telefonanschluss zu erhalten. Dieser  funktionierte tatsächlich so wie in den alten Kinofilmen. Ein Kurbeltelefon im Hause mit dem wir zunächst die Zentrale in der Gemeinde anrufen mussten und dann dort durch einen Beamten verbunden wurden. Dieser stöpselte das entsprechende Kabel ein, um die Verbindung herzustellen. Die sehr hohen Gesprächsgebühren liefen natürlich schon ab der Verbindung mit der Zentrale.

 

Um damals ein Fax zu senden oder zu empfangen mussten wir ungelogen rund 180 Kilometer bis nach Surabaya fahren. Heute, rund dreizehn Jahre später, besitzt fast jedes Kind ein Handy. So rapide haben sich hier die Zeiten geändert!

Später konnten wir in Tulunggagung ( 40 Km )  und dann in Kediri ( 20 Km )

meist bei Geschäftsbanken Faxe absenden oder empfangen - zu einem Preis von rund vier Euro (DM 8.00) pro Blatt alles andere als günstig. Anfangs Jahr 1996 installierten wir unser eigenes Faxgerät in Wates gefolgt von der ersten eMail-Verbindung Ende 1996.

 

 

Keine Elektrizität

Dasselbe gilt für Strom, den es in unserer Gegend nicht gab. Zu Beginn konnten wir uns nur mit Hilfe unseres eigenen Diesel-Aggregats mit Strom versorgen, der die dumme Eigenschaft hatte, meist nachts zu „streiken“. Um kurz nach Mitternacht mit einem Schraubschlüssel an einem stinkigen, verrussten und mit Oel verschmierten Dieselaggregats mit Hilfe einer Taschenlampe oder Laterne zu hantieren benötigte ziemlich viel Geduld. Das Fluchen in unserer Sprache konnte zum Glück kein Einheimischer verstehen. Erst viel später kauften wir ein zweites, altes, gebrauchtes Dieselaggregat für den Notfall. Auch jetzt, im Jahre 2007, fällt der Strom pro Jahr rund 20 Mal aus. Unser altes Dieselaggregat ist dann immer wieder stundenweise im Einsatz, bis die Elektrizitätsgesellschaft die Leitungen von heruntergefallenen Bäumen usw. befreit hat.

 

Die Stromprobleme entstehen unter anderem auch dadurch, weil es immer noch Verrückte gibt, die Strom stehlen, indem sie ihre Kabel direkt an die Leitungen anschliessen. Das ist natürlich sehr gefährlich und streng verboten. In unserem eigenen Haus hatten wir beim Einzug vor vier Jahren eine solche Steckdose entdeckt, die immer noch Strom hergab, obwohl die Hauptsicherung abgestellt war. Das heisst es musste jemand eine direkte Leitung zur externen Stromverkabelung gelegt haben. Somit existierten keine Sicherungen und ein Stromschlag aus dieser Steckdose wäre tödlich gewesen.

 

 

„A“ ist nicht gleich „A“

Natürlich gewöhnt man sich nach so vielen Jahren in diesem Lande an viele Dinge, welche in Europa absolut unmöglich sind. Im Umgang mit den einheimischen Mitarbeitern muss die Interpretation des Sprachgebrauchs erst einmal gelernt sein und die uns fremde Mentalität verstanden werden.

 

Hier ein paar Beispiele:

 

Der Mitarbeiter sagt:

„Das Möbel ist OK: Man muss nur noch ganz leicht nachbessern.“

Wirkliche Bedeutung: „Das Möbel ist eine Katastrophe und fällt ohne tief schneidende Änderungen gleich auseinander.“

 

Der Mitarbeiter sagt:

„Ich bitte morgen um einen  Tag Urlaub, weil meine Schwester heiratet.“

Wirkliche Bedeutung: „Ihr könnt mich eine Woche lang vergessen!“

 

Der Mitarbeiter sagt:

“Wir müssen Bettschrauben bestellen, sie werden bald aufgebraucht sein.“

Wirkliche Bedeutung: “Wir haben seit ein paar Tagen keine Bettschrauben mehr.“

 

Der Lieferant sagt:

„Morgen Abend schicke ich ganz bestimmt die anbezahlte Ladung Bambus“.

Wirkliche Bedeutung: “Eventuell schicke ich in den nächsten zehn Tagen eine Ladung Bambus, je nachdem“.  

 

Der Mitarbeiter sagt: “Ja, ganz sicher.

Wirkliche Bedeutung: “Vielleicht“.

 

Der Mitarbeiter sagt:

“Nein, auf keinen Fall.“

Wirkliche Bedeutung: “Vielleicht.“

 

Dieses Wörterbuch der täglichen javanesischen Sprache könnte noch mit zahlreichen Beispielen erweitert werden. Es dient in diesem Zusammenhang nur dazu, die Mentalitätsunterschiede zu verdeutlichen.

 

Am Anfang unserer Tätigkeit im Jahre 1990 produzierten wir mit sechs Arbeitern, im Jahre 1992 waren es 33, und im Jahr 2001 erreichte die Belegschaft mit 124 Mitarbeitern ihren Höhepunkt. Im Jahre 2002 verlegten wir die Produktion in die nahe gelegene Stadt Kediri.

 

Wegweiser
Volle Ladung
Nachts unterwegs

Nachtwächter

Anlässlich eines Besuchs im Betrieb Mitte der 90er Jahre stellte ich fest, dass der Nachtwächter in einem Nebenraum der Produktionshalle auf einer Bambusmatte auf dem nackten Zementboden schlief. Ich war entrüstet, dass der Mann kein Bett mit Matratze hatte. Ich wusste, dass er keinen Lattenrost brauchte, denn kaum jemand in Indonesien legt Wert auf einen Lattenrost. Also kauften wir eine circa 10 cm dicke Matratze mit Kokoshaarfüllung mit besonders hartem Liegekomfort. Mein Gewissen war beruhigt. Am nächsten Morgen erschien der Nachtwächter. Er hatte eine schlaflose Nacht verbracht und das Unglück stand in seinen Augen. Er bat inständig wieder auf der hauchdünnen Matte auf dem Zementboden schlafen zu dürfen.

 

 

Fabrik in Flammen

Am alten Produktionsstandort hatten wir mit kleinen Bambusöfen aus Holz gearbeitet. Dies war nicht ungefährlich und hat 1999 zu einem Brandausbruch geführt.

Der kleine Ort Wates verfügte aber über keine Feuerwehr. Daher musste die Feuerwehr aus einem benachbarten, 10 Kilometer entfernten, Ort ausrücken, um uns zu Hilfe zu kommen. Allerdings blieb das schwere Auto neben einem nahe gelegenen Reisfeld hinter der Firma stecken, ohne uns zu erreichen. Also mussten wir erst das Feuer alleine löschen und dann auch noch den Tanklastwagen der Feuerwehr mit dreissig Arbeitern aus dem Reisfeld befreien. Nach einem Produktionsunterbruch von zehn Tagen konnten wir die Produktion wieder aufnehmen.

 

Besser ist das übrigens bis heute (2007) nicht geworden. In der letzten Woche brannte in Surabaya der Pasar Turi, der grösste Markt ausserhalb Jakartas. Das Feuerwehr Hauptdepot von Surabaya liegt 150 Meter vom Markt entfernt und trotzdem konnte das Feuer zwei Tage lang nicht unter Kontrolle gebracht werden. Die Hydranten laufen mit Hilfe von Strom. Der Strom wurde aber vom E-Werk nach Brandausbruch aus Sicherheitsgründen abgestellt. Somit waren die Hydranten nutzlos. Das Löschwasser musste von Weitem herangekarrt werden

 

 

Naturgewalten

Die immer wiederkehrenden Ueberschwemmungen während der Regenzeit behindern die Produktionstätigkeit in erheblichem Masse, einerseits wegen der häufigen Stromausfälle, andererseits weil man oft mit den Fahrzeugen im Morast stecken bleibt.

 

 

Suche nach dem Ei des Kolumbus

Unsere Prioritäten lagen darin, ein Verfahren zu entwicklen, um die typische Rissneigung der Bambusrohre zu unterbinden. Es war die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Ja sogar noch schwieriger, denn jede Methode, von der wir glaubten es sei die Richtige, musste erst über Monate und Jahre getestet werden. Erst dann konnten wir entscheiden, ob unsere Annahme die korrekt war. Zuerst liessen wir uns von der an und für sich logischen Ueberlegung leiten, ein Verfahren zu entwickeln, welches die Entweichung der Feuchtigkeit in den Bambusrohren verunmöglichte. Denn wenn die Rohre nicht austrocknen, dann reissen sie auch nicht. Gesagt getan. Wir fügten den Bambus-Bädern, in welchen das Lignin im Inneren der Rohre heraus gewaschen wurde PEG bei (Polyethylenglycol).

 

Da PEG stark hygroskopisch ist, band es die Feuchtigkeit in den Rohren.

Bei allen chemischen Substanzen wurde peinlich darauf geachtet, nur absolut schadstofffreie Mittel zu verwenden, was bei PEG der Fall war. Die Rohre wurden nun in ein neues Wasserbad mit einer PEG-Konzentration getaucht und im Nachhinein in Oefen schonend getrocknet. Die Bambusrohre sogen das PEG auf und waren durch die Ofentrocknung trocken genug, um sie zu Bambusmöbeln zu verarbeiten. Danach wurden die Bambusrohre in unserem geschlossenen Lager monatelang aufbewahrt. Die Ergebnisse waren fantastisch. Kein einziges Rohr bekam Risse im Vergleich zu den nicht mit PEG behandelten Bambusrohren. Der Stein des Weisen war gefunden. Los ging’s mit der Bambusmöbelproduktion. Die ersten Möbel, die wir in Deutschland erhielten waren mindestens doppelt so schwer wie die Möbel ohne PEG-Behandlung. Das war nicht ideal, aber wir nahmen diesen kleinen Nachteil in Kauf. Das nächste Problem bestand aber darin, dass die Bambusmöbel nicht mit Klarlack lackiert werden konnten. Sie waren aussen so feucht, dass kein Lack darauf hielt oder nach kurzer Zeit milchig wurde und abbröckelte. Auch das war ein Nachteil, den wir in Kauf nahmen und die Möbel nicht mehr lackierten, sondern mit Oel behandelten. Langer Rede kurzer Sinn:

Die Bambusmöbel bekamen tatsächlich keine Risse, fühlten sich aber feucht an und waren fürchterlich schwer. Aber wir hatten unser Ziel erreicht.

Nachdem wir in Süddeutschland eine halbe Villa mit diesen neuen Möbeln ausgestattet hatten, rief der Kunde nach circa sechs Monaten an und teilte uns mit, dass einige Möbel Risse, und zwar besonders starke, bekommen hatten. Für uns brach buchstäblich eine Welt zusammen. Es stellte sich heraus, dass Bambusmöbel, die mit PEG behandelt wurden erst zu einem viel späteren Zeitpunkt rissen, dafür aber umso heftiger. Das hiess, dass die Feuchtigkeit in den Rohren trotz des hygroskopischen PEG weiterhin reissen. Warum sind sie aber dann bei unseren monatelangen Tests in Indonesien nicht gerissen? Dort herrscht das ganze Jahr über mehr oder weniger eine relative Luftfeuchtigkeit um 90 Prozent. Das hygroskopische PEG „ernährte“ sich von der Umgebungsluft und daher sind die Bambusrohre dort während der langen Testperioden nicht gerissen. Neben PEG haben wir auch mit Urea experimentiert, doch das Ergebnis war dasselbe.

 

 

Die Chemiekeule

Ein weiteres grosses Problem war der Bambuskäfer Befall. Bambuskäfer „wohnen“ im feuchten Inneren der Rohre und können mit unseren Holzwürmern verglichen werden. Es handelt sich um ganz kleine dunkle bzw. schwarze Käfer, die Bambus über alles lieben. Natürlich wussten wir, wie wir uns der Käfer hätten entledigen können, nämlich mit Pestiziden. Und in Drittwelt Ländern gibt es bekanntlich Pestizide, die in der EU aus gesundheitsschädigenden Gründen schon in den 70er Jahren verbannt wurden. Der „Vorteil“ der Chemiekeulen war und ist bis heute, sie sind effizient und billig. Wir erkundigten uns bei anderen Bambusmöbel Herstellern im Fernen Osten, was sie gegen den Käferbefall unternähmen. Die Sache war einfach: Je höher und giftiger die chemischen Substanzen waren, die in das Innere der Bambusrohre gespritzt wurden, umso länger die Garantie gegen Bambuskäferbefall.

 

Also suchten wir nach Alternativen ohne Chemie und kamen auf Borax.  Borax ist zwar auch eine chemische Substanz, aber nicht gesundheitsschädigend. Der erste erkennbare Nachteil war, dass Borax circa 50 Mal teurer war als die Super-Pestizide und die Behandlung der Bambusstangen mit Borax wesentlich komplizierter war. Erst später fanden wir heraus, dass die Behandlung in einer Boraxlösung, den Nachteil hatte, dass Borax hygroskopisch ist und die Bambusstangen bei der Verarbeitung zu Bambusmöbeln und während des Uebersee Transports wieder Feuchtigkeit aufsogen. Also mussten die mühsam und teuer behandelten Bambusmöbel im europäischen Klima reissen. Manche Hersteller rühmen sich noch heute, Borax zu verwenden und lagern die so behandelten Rohre senkrecht, wie man auf vielen Fotos sehen kann. Während dieser Lagerung verlagert sich das Borax und die Feuchtigkeit somit in den unteren Teil der senkrecht gelagerten Rohre. Natürlich ein Horrorszenario wie man sich vorstellen kann. Also weg vom Borax.

 

In der Zwischenzeit haben wir ein neues Verfahren entwickelt, ohne Einsatz von irgendwelchen chemischen Mitteln, das sich seit Jahren bestens bewährt hat.

 

 

Ausräucherung von Containern

Um den Tierchen den Garaus zu machen wird auch die Ausräucherung (Fumigation) von Container Ladungen mit Phostoxin benutzt. Leider auch ein Mittel, das gesundheitsschädugend ist und nur für die Insekten gedacht ist, die sich nicht im Inneren von Bambusrohren befinden. Fumigierte Container müssen in der EU bei der Einfuhr speziell angemeldet werden. Nicht wenige Kontainer werden bei der Einfuhr von den Zollbehörden geöffnet und deren Inhalt kontrolliert. Man möchte damit die Gesundheit der Zollbeamten schützen. Bei Exporten in die USA und vor allem nach Australien, ist es Vorschrift, die Container auszuräuchern, damit nicht ungewollte Tiere gleichzeitig eingeführt werden.

 

 

Bambuskäfer

Vor vielen Jahren erreichte uns ein grosser Schadensfall wegen Bambuskäfern. Ein Kunde hatte mehrere Bambusmöbel in seinem Haus im Dachstock aufgestellt. Die Familie ging im Juli oder August in die Ferien und als sie zurückkam waren überall Bambuskäfer. Sofort hiess es, das gesamte Haus zu desinfizieren und den Dachstock zu untersuchen. Vielleicht fressen sich die Käfer durch die Balken und das halbe Haus stürzt früher oder später zusammen. Wir konnten viele Befürchtungen ausräumen, denn wir hatten schon lange zuvor in Terrarien Tests mit Bambuskäfern durchgeführt und wussten daher, welche geschmacklichen Vorlieben die kleinen Tierchen besassen.

 

 

Asienkrise 1997

Wegen des rapiden Verfalls der Rupia Währung mussten alle Einkäufe in US-Dollar getätigt werden. Die Nachfrage nach Hilfsprodukten ging im ganzen Lande zurück, so dass wir z.B. die bislang verwendeten Lacke und Leim nicht mehr bei den bisherigen Lieferanten beziehen konnten. Es lohnte sich für sie nicht mehr, diese Materialien zu importieren, weil die Nachfrage zu gering geworden war. Tausende von Klein- und Mittelbetrieben mussten Konkurs anmelden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als diese dringend benötigten Hilfsmittel auf dem Schwarzmarkt zu stark übersetzten Preisen und natürlich in Fremdwährung einzukaufen. Der Aufwand der Beschaffung wurde zu einer grossen zeitlichen Belastung, denn es gab nur geringe Mengen auf dem Markt und es mussten Dutzende Händler in verschiedenen Städten abgeklappert werden. Was wir natürlich nicht im Entferntesten wussten, stelle sich erst später in Europa heraus. Leim und Lacke wurden „gestreckt“ und falsch etikettiert. Wir kauften also nicht den bisher qualitativ guten japanischen Lack, sondern minderwertigen indonesischen Lack, der mit irgendwelchen Zutaten gestreckt, und in japanischen Dosen abgefüllt war. Nachdem die Bambusmöbel in Europa ausgeliefert waren kamen die ersten Reklamationen. Der Klarlack blätterte ab. Wegen der Qualität des Leims entstanden ähnliche Probleme.

 

Nachdem das autoritäre Suharto Regime abtreten musste kam Indonesien erstmals nach mehreren hundert Jahren in den Genuss einer Demokratie. Zuvor waren die Holländer circa 300 Jahre lang als Kolonialmacht in Indonesien, danach waren es ganz kurz die Japaner und später kam Präsident Sukarto, und nach ihm über Jahrzehnte Präsident Suharto an die Macht, der das Land nicht nach demokratischen Regeln regierte. Viele Indonesier und auch unsere Arbeiter verstanden daher unter der neuen Demokratie Freiheit total. Das heisst ein Teil unserer Belegschaft erschien je nach Lust und Laune zur Arbeit. Es versteht sich von selbst, dass nach der Lohnauszahlung ungefähr ein Drittel der Mitarbeiter am nächsten Tag nicht mehr erschien, sondern erst als das Geld knapp wurde. Dies waren für HIGH TOUCH sehr schwierige Monate und Jahre. Umso erstaunlicher ist es heute (2007) wie schnell und umfassend die Menschen in Indonesien aus der Demokratie gelernt und sie akzeptiert haben.

 

 

Machenschaften

Eines Tages meldete uns ein Geschäfts-„Partner“, ein Ladengeschäft in Norddeutschland, dass wir ihm käferverseuchte Bambusmöbel geliefert hätten. Er meldete gleichzeitig einen hohen Betrag als Schadenersatz an. In der Zwischenzeit hatten wir schon so viel gelernt und mit unserem neuen Verfahren Erfahrungen gesammelt, dass wir mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit davon ausgehen konnten, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Wir wussten aber auch, dass dieser „Geschäftspartner“ Bambusmöbel von anderen Lieferanten in seiner Ladenausstellung hatte. Nun stellte sich die Frage, ob es sich um „unsere“ oder die Käfer des anderen Importeurs handelte. Wir baten zum Nachweis um Zusendung einiger lebendiger oder toter aufgefundener Käfer. Innert weniger Minuten nach Empfang des Briefumschlags mit der Käfersendung wussten wir, dass die HIGH TOUCH Möbel nicht von Käfern befallen waren. Die Käfer kamen unter die Lupe und die uns gesandte Käfer Art entsprach nicht der Käfer Art, wie sie in unserer Gegend in Indonesien vorkam. Es gibt nämlich je nach Region unterschiedlich aussehende Käferarten. Es versteht sich von selbst, dass wir diesem Händler nicht mehr zusammen arbeiten wollten.

 

Dem nicht genug. Eines Tages meldete sich eine sehr grosse Firma, ein so genannter Möbelgigant, und teilte uns mit, dass wir wegen gerissenen Bambusmöbeln und Käferbefall bei einem Kunden Ersatzmöbel liefern müssten. Bereits ein Jahr zuvor hatten wir allen HIGH TOUCH Händlern mitgeteilt und in allen unseren Katalogen publiziert, dass wir eine Garantie gegen Käferbefall geben. Wir gingen der Sache nach und es stellte sich heraus, dass der reklamierende Kunde seine Bambusmöbel nicht von HIGH TOUCH, sondern von irgendeinem Bambus Importeur gekauft hatte, der über keine eigene Produktion verfügte.

 

Seitdem geben wir nur dann eine Garantie gegen Käferbefall, wenn unsere Bambusmöbel nicht zusammen mit Bambusmöbeln anderer Hersteller zusammen aufbewahrt werden. Denn die 100 Prozent sicheren HIGH TOUCH Bambusmöbel könnten durch andere verseuchte Möbel infiziert werden. Aber auch hier könnten wir an Hand der Käfer Art den Verursacher herausfinden. Fazit: Wer nicht selbst produziert, der kann auch nicht selbst kontrollieren und sollte daher besser keine Aussagen zu Beschaffenheiten wie Schadstofffreiheit, Qualität usw. machen.

 

 

Geheimpolizei

Im Jahre 1996 trafen wir uns mit unserem Produktionsmanager vor Ort in einem Hotel in Kediri, um alle anstehenden Probleme, Vorgaben und Zielsetzungen zu besprechen. Die Besprechung fand in einem kleinen Hotel wegen der dort vorhandenen Klimaanlage statt. Nun kennt die Stadt Kediri resp. die ganze Region keinen Tourismus und es gibt auch keine ausländischen Firmen in der Nähe. Stellen Sie sich vor, es treffen sich drei Weisse und diskutieren drei Tage in einer unverständlichen Sprache. Am nächsten Tag erhielten wir im Betrieb einen unangekündigten Besuch des indonesischen Geheimdienstes. Nach einer kurzen Erklärung zogen die indonesischen „Spezialeinheiten“ verständnisvoll grinsend ab.

 

 

Klein-Zoo

Im Laufe der Zeit gab es auf dem Betriebsgelände, einen Affen, Hunde und Gänse. Die beiden letzteren sollten nachts bei ungebetenen Besuchern Alarm schlagen. Der erste der „verschwand“ war der Affe, den wir kurze Zeit später auf einem nahe gelegenen Markt wiederfanden. Er stand auf einem Marktstand zum Verkauf. In den nächsten Wochen verschwanden die beiden Hunde. Wahrscheinlich landeten sie in irgendeinem Kochtopf so wie die Gänse später auch. Die Diebe konnten nicht ausfindig gemacht werden. Gelegentlich verirrt sich eine Schlange in den Betrieb, die dann gefangen und von den Arbeitern während der Mittagspause gegrillt und genüsslich verspeist wird. Auch Frösche mussten daran glauben, wobei die Tiere als Ganzes gegessen werden und nicht nur deren Schenkel. In den angrenzenden Reisfeldern findet man sie zu Millionen, die nachts einen Höllenlärm veranstalten.

 

 

Container mit Schnur befestigt
Fahrplan Fähre
Fähre

 

2. Teil : 16 Jahre eigene Bambusmöbel Produktion in Indonesien

 

Geister usw.

Ewas, was mir am Wochenende wieder unliebsam aufgefallen ist: der allgemein  herrschende Aberglaube hat sich auch auf meine Kinder weiterverpflanzt.

Ich lösche nachts immer alle Lichter, was im Prinzip nur dann möglich ist, wenn alle eingeschlafen sind. Vorher wird das Kippen von einem Lichtschalter meinerseits gerne mit Kommentaren wie: " Papa, bist Du verrückt" usw. quittiert. Fakt ist: meine ganze Familie hat Angst vor Geistern und schläft deshalb bei Licht; auch wenn es sich dabei um solches mit relativ geringer Wattzahl handelt. Ein ewiger Kampf ist das eine, an sich leerstehende Zimmer, an welchem alle vorbei müssen, wenn sie nachts zum Bad müssen. Anscheinend wohnt da ein ganz schlimmer Geist, denn obwohl ich das Licht in diesem Raum jede Nacht ausknipse, muss ich am morgen meistens feststellen, dass jemand das Licht wieder angemacht hat.

 

Grundsätzlich gelte ich in dieser Beziehung als Aussenseiter, welchem das gewisse dritte Auge fehlt; niemand von meinen Arbeitern oder einheimischen Bekannten zieht das Vorhandensein von Geistern usw. in geringste Zweifel und mir wird höchstens eine gewisse Blindheit in dieser Beziehung zugestanden.

 

Jeder kann einem, wenn man im richtigen Augenblick danach fragt, irgendeine schräge Story erzählen und je geduldiger man zuhört, desto interessanter werden die geschilderten Begebenheiten.

 

Dass meine Exfrau immer und andauernd steif behauptete, einmal ein Huhn mit einem Menschenkopf gesehen zu haben, ist eine von den schlichten Geschichten. Mein Einwand, dass so ein Huhn unter der Last eines so schweren Kopfes zusammenbrechen würde, wurde nicht geschätzt.

 

Immerhin konnten wir zu Beginn der Bambusmöbelproduktion, als wir 1989 in Kunjang nahe Wates ein altes Haus mit Werkstatt mieteten, Vorteil aus diesen Gegebenheiten schlagen. Weil diese Liegenschaft für nächtliche Geräusche bekannt war, konnten wir sie damals für etwas mehr als ein Butterbrot mieten. In diesem Haus lernten wir mit den ersten fünf Handwerkern die Techniken der Bambusbearbeitung und nachts konnte man tatsächlich solange seltsame Geräusche vernehmen, wie der im Wind wippende Arm der Wasserpumpe an ein nebenstehendes Blech schlug - das war alles.

 

Im besagten Haus fehlten unter anderem Strom und es ist interessant, wie schnell man sich an folgende Dinge gewöhnen kann:

 

  • Wasser zum Kochen und Waschen von Hand mit einer Pumpe acht Meter aus dem Grundwasser hochpumpen. Dieser Arbeit ersetzt einem jedes Fitness Studio!
  • Schwarz - Weiss Fernseher mit geringer Wattzahl, so dass man ihn mit einem Kabel betreiben kann, welches man an die Autobatterie anhängt.
  • Mit Petrolbrenner oder Feuerholz kochen.
  • Nachts absolute Ruhe; keine Geräusche der modernen Zivilisation.
  • Wäsche von Hand machen; mit Waschbrett und Kernseife.
  • Petrol- oder Spirituslampen.
  • Kein Telefon, kein Internet und fürs Radio: wieder die Autobatterie.
  • Wenn das Handy heute alle fünf Minuten klingelt; vermisst man diese Zeit.

 

 

Medizinische Versorgung...

Das Schlimmste in Indonesien war für mich immer die Tatsache, dass die meisten Menschen nach Unfällen und Krankheiten sehr geringe Chancen haben, ihr Leben wie gewohnt weiterzuführen.

 

Dies liegt nicht nur an der Armut, aber auch daran, dass sich nur die wenigsten eine Kranken- oder Unfallversicherung leisten, obwohl sie andererseits neue Autos und Handys für 500.- Euro usw. besitzen. Es fehlt einfach das Verständnis und viele Leute schütteln den Kopf, wenn ich von einer normalen Krankenversicherung rede. Der Kommentar ist meistens: "Aber dann machst Du einen grossen Verlust, wenn Du die Prämie zahlst und in diesem Jahr nicht krank wirst- das Geld ist dann ja verloren". Na ja...

 

Der Asiate hat zum Leben und Sterben einfach ein ganz anderes Verhältnis.

Die Zustände in den meisten Spitälern spotten jeder Beschreibung und man muss schon sehr gute Nerven haben, um sich in solchen "Kliniken" umzusehen!

 

Einer unserer Vorarbeiter erkrankte im Jahr 1998 an den Nieren und war danach auf eine einwöchige Blutwäsche in Surabaya angewiesen. Bei seiner letzten Blutwäsche ging etwas schief und er bezahlte diesen Fehler mit seinem Leben. Im öffentlichen Spital von Kediri steht übrigens eine praktisch fabrikneue Anlage zur Blutwäsche; weil das Fachpersonal fehlt wird sie nicht benutzt...

 

Bei einem Besuch in einem öffentlichen Krankenhaus erlebt man den ausgeprägten Familiensinn der Einheimischen. Kein Kranker ist alleine; immer sitzt mindestens ein Familienangehöriger an seinem Bett, oder - und das habe ich einige male beobachtet, schläft unter seinem hochfüssigen Krankenbett auf einer mitgebrachten Decke am Boden.

 

Leider wandern nachts in manchen Spitälern auch Katzen durch die Gänge, meistens nicht nur das...

 

Aber man muss überdies anerkennen, dass sich auch Indonesien wandelt und in manchen neuen Krankenhäusern nun bessere Verhältnisse herrschen.

 

 

Verkehr...

Wenn Sie der Meinung sind, dass gewisse Computer Rennspiele irreal sind, müssen Sie einmal mit einem Auto nachts von Semarang nach Jakarta fahren. Das ist eine der wenigen Gelegenheiten, wo Sie auf einer normalen Strasse gleichzeitig von links und rechts von einem vorüberfliegenden Bus überholt werden können.

 

Der Verkehr ist, wie in vielen asiatischen Ländern, schlichtwegs eine Katastrophe. Auf manchen schlecht ausgebauten Strassen fahren vor allem nachts unzählige Busse und Lastwagen ein stetiges und nimmer endendes Rennen. Wracks, welche links und rechts der Strasse vor allem in der Nähe von Polizeiposten liegen gelassen werden, erzählen, dass dieser Dauerstress nicht immer gut ausgeht.

 

Das Hauptproblem ist, dass Bus- und Lastwagenchauffeure im Akkord fahren; das heisst, je schneller sie sind, desto mehr verdienen sie. Es gibt keine Radarkontrollen und die wenigen Polizisten sind nachts dem übergrossen Andrang auf den Strassen nicht gewachsen. Nachts wird übrigens deshalb gefahren, weil dann die grossen Intercitybusse ohne zu Bremsen durch die Dörfer rasen können, während sie am Tag oft durch Märkte usw. gestoppt werden.

 

Die meisten Unfälle geschehen infolge Übermüdung. Wir sind einmal mit einem Bus von Medan nach Jakarta gefahren. Abfahrt in Medan am Mittwoch Mittag. Ankunft Jakarta am Sonntag Morgen früh. Die ganze Strecke wurde von nur einem Fahrer bewältigt, welcher am Morgen und Mittag jeweils eine und am Abend zwei Stunden anhielt. Während der Abendrast schlief er jeweils eine gute Stunde in der Nacht auf den Samstag konnte er aus Erschöpfung nicht mehr weiter und ruhte auf der hinteren Bank vom Bus für drei Stunden, während die Passagiere sich mit den Mücken auseinandersetzen konnten.

 

Unterwegs auf dem Land kann es vor allem während der Regenzeit immer wieder passieren, dass man irgendwo nicht mehr weiterkommt, weil Brücken oder ganze Strassen einfach weggeschwemmt werden. Mit Glück findet man dann eine Ausweichstrecke oder ein paar abgesägte Baumsstämme, welche eine Brücke temporär ersetzen. Dabei ist es dann am besten, wenn man die Mitreisenden zu Fuss die Brücke passieren lässt und mit dem Auto alleine über die glitschigen Stämme rutscht.

 

 

 

Überschwemmung
Brücke
Brücke

Essen, Tiere und Rauchen

Was wäre Indonesien ohne die zahlreichen Warungs ( Garküchen ), welche man an jedem Weges- und Strassenrand findet. Gekocht wird praktisch alles, was irgendwie essbar ist. Leider fallen auch Hunde, Maden und Schlangen in diese Kategorie..., aber zum Glück nur sehr selten.

 

Egal, zu 99% schmeckt das Essen immer gut und ist alleine schon eine Reise nach Indonesien wert. Unter Kochen versteht man hier immer noch Kochen, und nicht das Bedienen einer Mikrowelle. In der Regel läuft das so ab:

 

  • Bereits am Morgen um drei Uhr findet man Bauern und Verkäuferinnen, welche zu Fuss, mit einem Motorrad oder sonst wie zum lokalen Markt unterwegs sind. Dort beginnen die Geschäfte bereits um vier Uhr morgens, und wer z.B. die besten Fische oder Krabben haben will, sollte dann schon auf dem Markt sein und um diese Produkte handeln.
  • Die Hausfrau kommt so frühmorgens vom Markt zurück und beginnt zu Kochen, indem sie die meisten Gewürze selbst mit einem Mörser von Hand zerstösst. Beutelsuppen und ähnliche Sachen setzen sich deshalb in Indonesien kaum durch, denn es schmeckt einfach viel besser, wenn das Essen aus frischen Zutaten zubereitet wird.
  • Hühner, Enten und auch Ziegen werden meist selbst gehalten und bei Bedarf direkt zuhause geschlachtet.
  • Nach dem Essen geht nichts über eine der indonesischen Kretek Zigaretten, welche mit Gewürznelken und anderen Aromen vielfach noch von Hand gedreht werden. Dieser Zigarettenmarkt ist nicht zu unterschätzen. Vor einem Monat hat Philip Morris in Indonesien tatsächlich "Marlboro Kretek" herausgebracht. In Kediri, wo wir unsere Möbel herstellen, heisst der grösste Arbeitgeber "Gudang Garam". In dieser Zigarettenfabrik produzieren 46'000 Angestellte an einem Arbeitstag bis zu 95 Millionen Zigaretten! Zuweilen liegt über der halben Stadt eine Wolke aus Nelkenaroma.

Warung
Warung
Tausend Füsse
Markt
Suppengemüse
Fischmarkt
Zigaretten Verkäuferin

Bürokratie

Dazu kann jeder, der in Indonesien von irgendeiner Behöre etwas benötigt, einen Roman schreiben. Viele Dokumente benötigen hier jahrelang, bis sie wirklich in vollständiger Form vorliegen.

 

Ein Beispiel von vielen: Ausweis verlängern.

 

Erster Tag: Man fährt durch die halbe Stadt und kommt ins entsprechende Büro. Leider vergebens, der Beamte, welcher für dieses entsprechende Formular zuständig ist, ist gerade an diesem Tag abwesend. Etwas verärgert erblickt man im gleichen Büro fünf Leute, welche damit beschäftigt sind, auf dem mitten im Büro installierten Fernseher eine Quiz-Sendung zu verfolgen. Trotzdem: Morgen wiederkommen...

 

Zweiter Tag: Glück gehabt, der entsprechende Beamte ist da und händigt einem tatsächlich das Formular aus. Spitze! Allerdings: es ist noch eine Unterschrift vom Bürgermeister nötig, also das Formular mitnehmen und morgen wiederkommen.

 

Dritter Tag: Nochmals Glück gehabt, das Formular wird direkt entgegengenommen und oh Wunder: es werden keine weiteren Dokumente benötigt. O.k., nun mit dem für Fotos zuständigen Beamten in den kleinen Raum, in welchem Fotos vom Antragsteller gemacht werden. Der Beamte greift mit geübtem Griff in die Schublade und zieht draus eine modere Digitalkamera hervor. Super! Allerdings, ja leider: die Batterien wurden nicht aufgeladen. Also am nächsten Tag wiederkommen.

 

Vierter Tag: Gleich wieder in den Fotoraum; mittlerweilen strotzen die Batterien vor Energie. Aber oh Schreck, trotzdem kommt beim Abdrücken kein Blitz?! Schlussendlich zeigt der Beamte Gnade und entfernt mit einem kleinen Messer das kleine Foto, welches im Antrag klebt, und benutzt dieses, um den Ausweis direkt fertigzustellen. Das Foto ist zwar sehr, sehr klein, aber was solls. Der Ausweis ist fertig, und zwar schon am vierten Tag. Ein Erfolg!

 

 

Tradition

Tradition hat in Indonesien trotz moderner Einkaufszentren usw. nach wie vor einen wichtigen Platz. Dabei kommt es immer wieder zu Situationen, auf welche man als westlicher Ausländer wirklich schlecht vorbereitet ist. Als meine erste Tochter im an sich modernen Baptistenspital geboren wurde, schickte mich die Schwester zu einem kleinen Laden in der Nähe, um einen kleinen irdenen Topf für die Plazenta zu kaufen. Diese musste ich dann nach Hause nehmen, und dort unter der Aufsicht meiner Schwiegermutter sauber waschen und im irdenen Topf direkt beim Hauptpfosten des Hauses beerdigen. Auf dem mit Erde zugeschütteten Loch musste dann einen Monat lang jede Nacht eine kleine Petrollampe brennen. Das ist eben Tradition. Die Plazenta wird als Teil des Kindes betrachtet, welche gut behandelt und eine Weile begleitet werden muss.

 

 

Jam Karet - Zeit

Zeit spielt in Indonesien keine Rolle. Überhaupt nicht. Sehen Sie dazu das Bild "Zeit" an, wo die Mauerziegel für einen Hausbau pro Stück von Hand in die Höhe geworfen werden, dann wissen Sie, was ich meine. Auch ganz oben hinschauen, denn da stehen der Vorarbeiter und die Mauer.

Zeit-Jam Karet

 

Wenn man eine Exportfirma leitet, welche für Geschäftspartner in Europa Güter herstellt, sieht das alles etwas anders aus. Man ist täglich damit konfrontiert, die zwei verschiedenen Lebens- und Gesellschaftsformen auf einen Nenner zu bringen, sei es betreffend Qualität, sei es betreffend Lieferzeiten.

Keine einfache Arbeit.

 

 

HIGH TOUCH® Neuentwicklungen

 

Im Laufe der 16 Jahre brachten wir ein halbes Dutzend Bambuspatente und mehrere hundert neue Designs und neue Entwicklungen auf den Markt. Anbei eine Aufzählung an Neuheiten, die wir erstmals selbst entwickelt hatten und auf die wir auch stolz sind:

 

  1. Zerlegbare Bambusbetten. Es ist kaum zu glauben, aber Ende 80er Jahre gab es Betten nur in einem Stück.

 

 

  1. Zerlegbare Bambusschränke. Einen zweitürigen Schrank gab es nur unzerlegt, und der war so schwer, dass er von vier Leuten nur mühsam getragen werden konnte. Seit 1995 bauen wir alle Bambusschränke im Modulbausystem bis zu zehn Türen.

 

 

  1. Zerlegbare Bambussofas und andere Grossmöbel.

 

 

  1. Kommoden mit Schubladen ohne dass sich die Hölzer verziehen und die Schubladen sich in Europa leicht öffnen und schliessen lassen.

 

 

  1. Verwendung von Messingnägeln statt der bisher üblichen nicht korrosionsfreien Eisennägel, die bei den hellen Rattanumwicklungen unschöne braune Verfärbungen ergaben. Um überhaupt diese korrosionsfreien Messingnägel zu erhalten, mussten wir über 1.000 Kilometer bis nach Jakarta fahren – Fliegen war damals viel zu teuer.

 

 

  1. Messing- und Holzkappen aller Art statt der üblichen Rattanumwicklungen an den Bambusrohrenden.

 

 

  1. Halbdunkle Rattanumwicklungen, unregelmässig in Teaksud gefärbt.

 

 

  1. Kombinationen von unterschiedlichen Bambussorten wie helle, getigerte und naturdunkle Bambusrohre kombiniert, oder helle Rohre mit getigerten und naturdunklen Bambuslättchen usw.

 

 

  1. Geschälten, hellen Bambus – die „Erfindung“ unseres Schreiners in den Philippinen.

 

 

  1. Gebeizte Bambusmöbel in diversen Beiztönen. Dies war nämlich nur möglich, nachdem man die Bambusrohre zuvor geschält hatte.

 

 

  1. Kontrollierte Ofentrocknung der Bambusrohre auf eine Restholzfeuchte von unter 10 Prozent (wird noch heute von keinem Bambusmöbelhersteller gemacht, weil zu teuer). Zudem verlangen stark getrocknete Bambusrohre ganz andere und aufwendigere Bearbeitungstechniken als eine Verarbeitung im halbfeuchten Zustand. Spezielles und detailliertes Kammertrocknungsverfahren von Bambusrohren mit grossen Durchmessern bis 18 cm.

 

 

  1. Wochenlange Trockenklima-Simmulation in speziellen Trockenkammern, in welchen ein kontinentales Klima wie in Zentraleuropa im Winter in beheizten Räumen vorherrscht, um die typische Rissneigung zu unterbinden (wird noch heute von keinem Bambusmöbelhersteller gemacht, weil zu teuer).  

 

 

 13.  Physikalisches Anti-Insektenverfahren ohne Chemie. 

 

 

  1. Verfahren zum Entfernen des Bambusstaubes im Inneren der Bambusrohre, der die Schimmelbildung begünstigt. 

 

 

  1. Feldforschung im Zusammenhang mit dem geeigneten Schnittalter für Bambusrohre für den Möbelbau.

 

 

  1. Innenverstärkungen zur Erhöhung der Bambusmöbelstabilität. An kritischen Stellen erhalten die hohlen Bambusrohre ein Innenleben aus Holz.

 

 

  1. Einführung des Antik- und Ethnofinish für Bambusmöbel.

 

 

  1. Verwendung von Edelstahlkomponenten in Kombination mit Bambusmöbeln.

 

 

  1. Verwendung von eingesetzten Bambusknoten, so dass man die Rohre beliebig ablängen und trotzdem mit Bambusknoten abschliessen kann.

 

 

 

In Null Komma Nichts wurden eifrig Designs, aber erstaunlicherweise nur wenig HIGH TOUCH®  Neuentwicklungen abgekupfert. Einerseits weil ein Teil der Neuenticklungen patentiert ist, andererseits weil viele HIGH TOUCH® Fertigungsmethoden den Nachahmern zu aufwendig sind. Wahrscheinlich der schnelle Euro oder die Einstellung „aus den Augen aus dem Sinn“? Der Endverbraucher in Europa versteht von Bambus ja sowieso nichts. Dies alles zu Lasten der Qualität, zu Lasten der Gesundheit und letztendlich zu Lasten des Kunden. Wir kennen auf dem europäischen Markt nicht wenige Firmen und deren Bambusmöbelqualität, die ihre Bambusmöbel als „hochwertig“ anpreisen. Eine solche "hochwertige" Qualität verkauften wir auch einmal, nämlich in den 80er Jahren, als wir noch fast gar keine Erfahrung in der Fertigung von Bambusmöbeln hatten.

 

 

Und seit der Ära des Internets findet man Raubkopien unserer copyright geschützten Fotos in Europa,  in ganz Asien, vor allem in China, Vietnam, den Philippinen und Indonesien.

 

Raubkopien und Fälschungen sind ein schlechter Sport:

Keine Spielregeln, viele Fouls und nur Verlierer.

www.stop-piracy.ch

 

 

AS & TR

Anfang Oktober 2007/dq

 

 

BAMBOO BY HIGH TOUCH®

 

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